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Hallo liebe Leser und die, die es werden wollen!

Wir sind das Projekt 'Zeitungsjournalismus CAU 2013' und möchten euch neben einer Printausgabe der 'CAUsaal' mit diesem Newsblog beglücken, informieren und unterhalten.

Was steckt eigentlich hinter 'BIO'? Wann passiert mal etwas beim Sophienhofumbau? Was haben Nestle und Mars gemeinsam?
Antworten, Kommentare und Berichte zu diesen und weiteren Themen findet ihr in unseren Ressorts.

Also: Kommentiert bis euch die Finger bluten und lasst uns lesen, was euch ge- oder missfallen hat!

Liebe Grüße,

euer hart arbeitendes 'CAUsaal'-Team


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Samstag, 22. Juni 2013

Umfrage zum Wirtschaftswissen - Die besten Antworten



Wir haben die Studenten der Christian Albrechts Universität zu Kiel zu wirtschaftlichen Grundbegriffen befragt – mit einem durchwachsenen Ergebnis. Nur die Hälfte der Befragten wusste, dass Philipp Rösler aktueller Wirtschaftsminister ist und niemand konnte uns sagen, was ständige Fazilitäten sind. Immerhin sagten die Begriffe Inflation, Kartell und Leitzinsen den Meisten etwas. Hier eine kleine Auswahl der besten Antworten auf unsere Fragen:

Erklären Sie den Begriff der ständigen Fazilitäten:
„Hat was mit anfassen zu tun.“

Was verstehen Sie unter Leitzinsen?
„Die werden von der EZB gedingselt.“

Was ist die Preisniveaustabilität?
„Ich habe Wirtschaft gehasst, übrigens. Das verhindert Inflation, damit wir nicht abrutschen.“

Was ist für Sie wirtschaftlich liberal?
„Kennt ihr schon Windows 8?“

Was für ein Gut ist eine Taxifahrt?
„Natürlich, weil der verdient damit doch Geld.“

Grenzen Sie Bedürfnisse von Bedarf ab:
„Man hat son Bedürfnis nach Essen, das andere ist Bedarf.“

Was sagt ihnen die Bewertung DD?
„Ist eine BH-Größe.“

Wer ist der aktuelle Wirtschaftsminister?
„Nein.“

Erklären Sie den Begriff des Homo Oeconomicus:
„Das ist einer, der sich von den gleichen Dingen ernährt und die gleichen Dinge kaufen muss.“

 (fb)(jh)

Freitag, 21. Juni 2013

FED kündigt das Ende der expansiven Geldpolitik an


Der US-amerikanische Ökonom und Federal Reserve Board (FED) Präsident Ben Bernanke kündigte  am 19. Juni langfristig eine Erhöhung der Leitzinssätze an. Zurzeit sind lediglich 0-0,25 Prozent Zinsen für Hauptrefinanzierungsgeschäfte der Geschäftsbanken angesetzt. Die Maßnahmen würde einen Rückgang der bisher sehr günstigen Anleihekäufe bedeuten. Das aktuell laufende Programm der expansiven Geldpolitik soll Mitte 2014 auslaufen. Bereits Ende diesen Jahres will die FED den massiven Ankauf US-amerikanischer Staatsanleihen einschränken.
Zu dem Leitzinssatz können Geschäftsbanken Geld bei den Zentralbanken, beispielsweise der EZB oder FED, leihen. Der  Leitzins ist lediglich ein minimaler Zinssatz. Die tatsächlichen Konditionen werden in einem Bieterverfahren (aktuell: Mengentenderverfahren) ausgehandelt. Wirtschafts-politisch bedeutet eine Erhöhung des Leitzinssatzes einen Rückgang des Geldmengenwachstums und fördert die Tendenz zu sparen.
Beides resultiert daraus, dass es bei einer Erhöhung der Leitzinsen für Geschäftsbanken teurer wird Kapital bei den Zentralbanken abzuholen. Dies führt zu einer Erhöhung der Kreditzinsen für realwirtschaftliche Unternehmen. Die Ankündigung führte so am Mittwoch zu einem weitgehenden Einbruch der Aktienwerte. Auch die Preise für Gold und der Dollarwert des Euro waren hiervon betroffen. (fb)

Offshore-Leaks nun öffentlich zugänglich



Im April 2013 übergab eine anonyme Quelle die heute als Offshore-Leaks bekannten Dokumente an das internationale Konsortium für investigativen Journalismus (ICIJ). Die Datenbank wurden am 15. Juni teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Namen und spezifische Angaben zu Adressen der etwa 130 000 involvierten Einzelpersonen wurden geschwärzt. Bei den betreffenden Dokumenten handelt es sich um Unternehmensinterna der weltweit größten Unternehmen für Trustgründungen an Offshore-Finanzplätzen. Durch die Offshore-Leaks und ihre stückweise Veröffentlichung wurde eine Debatte um die Legitimität von Offshore-Trusts angeschoben. Im Verlauf der medialen Berichterstattung wurde  unter anderem auf die Gründung von Scheinfirmen und Trusts durch die Deutsche Bank aufmerksam gemacht. Auch andere Großbanken wie JPMorgan Chase und UBS sind laut vorangegangenen Medienberichten involviert.
Trusts selbst sind keine Unternehmen, sondern unmittelbare Rechtsbeziehungen. Bei der Gründung eines Trusts werden Vermögen von dem auftraggebenden Vertragspartner (Settlor) abgesondert, der sich selbst als begünstigte (Beneficiary) Person eintragen kann. Die Verwaltung wird einem sogenannten Trustee übergeben, der damit formal neuer Eigentümer der Vermögenswerte wird. Hierbei bleibt jedoch der Trustee grundsätzlich dem  Beneficiary verpflichtet, der so weiterhin über das abgegebene Vermögen verfügt. Indem der Settlor sich selbst vertraglich als Beneficiary festsetzt, können Vermögen Übersee (Offshore) gelagert und gegebenenfalls Steueroasen wie Mauritius, Barbados oder Liechtenstein ausgenutzt werden. Die nun für die Öffentlichkeit zugänglichen Dokumente zeigen Geschäftsbeziehungen der zwei größten Anbieter für die Organisation von Trusts und Scheinfirmen. Die Dokumente können unter folgender Webadresse aufgerufen werden: http://offshoreleaks.icij.org.  (fb)

Vom Hörsaal in die Eisdiele - Existenzgründung einer Kieler Studentin

Lisei bedient noch persönlich
Foto: jh
In der Kirchhofallee an der Ecke zur Ringstraße befindet sich ein eindrucksvolles Eckhaus. Drinnen steht hinter einem gläsernen Tresen ein Mann, den nicht die Kieler Sonne so bräunen konnte. Mit Schwung stößt er den Löffel in das blaue Schlumpfeis, platziert eine übergroße Kugel in die Waffel und taucht sie anschließend in eine Schale voller Cookie-Streusel. Nun wird noch der obligatorische Haribo-Schlumpf auf dem Eis platziert. Das kommt vor allem bei den Kindern gut an.

Lisei, die Besitzerin der Eisdiele Liseis, ist Existenzgründerin. Vor zwei Jahren hat sie den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Seitdem hat sich Liseis herumgesprochen. Die Leute dort seien immer freundlich, an den frischen Früchten werde nicht gespart, wer wolle, brauche sich erst nach einem ganzen Probiermarathon durch die verschiedenen Milcheise und Sorbets entscheiden – falls dann noch etwas in den Magen passt. Und jetzt machen sie im Liseis auch noch ihre eigene Eiscreme.
Trotzdem scheint nicht einmal das riesige Plastikeis vor dem Laden aufzufallen. „Immer wieder kommen Leute rein und fragen, ob wir neu hier sind“, sagt Chefin Lisei.
Die Studentin der Volkswirtschaftslehre ist mit ihrer Existenzgründung unter ihren Kommilitonen eine Ausnahme. Zwar macht der Studiengang mit Wachstumsstrategien vertraut, aber die meisten trauen sich einfach nicht.

Das Angebot des selbstgemachten Eis ist vielfältig
Foto: jh
Nach dem KfW-Gründungsmonitor 2013 gab es 2012 mit 775.000 Gründern 60.000 weniger als im Vorjahr, als auch Lisei sich selbstständig machte. Und sogar 134.000 weniger als 2010. Das Gründungsgeschehen sei auf dem Tiefpunkt – und kein Anstieg in Sicht.
Der Weg zum eigenen Unternehmen ist kein Spaziergang, aber gut zu schaffen, findet Lisei. Die theoretischen Grundlagen beherrschte sie durch ihr Studium so gut, dass sie sich  nicht einmal beraten ließ - auch wenn die Theorie oft schwer zu realisieren war:

„Die Professoren haben für die Beispielrechnungen immer Eisdielen verwendet“, in der Realität sei aber doch alles anders, gibt Lisei zu. Aber mit viel Ehrgeiz und Fleiß schaffte sie es. Wenn sie etwas nicht wusste, habe sie einfach in Büchern nachgelesen. Zudem wusste sie, welche Prioritäten zu setzen waren: „Ganz wichtig ist natürlich die Location. Ich habe mich wirklich tagelang an die Straße gestellt und gezählt, wie viele Menschen hier vorbeikommen und mich dann für diesen Standpunkt entschieden.“ Lange habe sie auch über den Namen des Eiscafés nachgedacht, bis ihre Steuerberaterin vorschlug, einfach ihren Vornamen zu verwenden und ein „S“ anzuhängen. Wofür „Liseis“ steht, wissen aber die wenigsten. „Die meisten denken, ich heiße Lisa“, merkt die Studentin an.

Doch Fleiß und Kreativität allein reichen oft nicht: Gerade die letzten Änderungen in der Existenzgründungsförderung durch die Bundesagentur für Arbeit, werden als Grund dafür angesehen, dass der niedrigste Stand der Gründer seit 2000 erreicht ist. So wurde der Gründungszuschuss im Dezember 2011 von einer teilweisen Pflicht- in eine vollständige Ermessensleistung umgewandelt. Außerdem bleibt jetzt den Gründern weniger Zeit zur Umsetzung ihrer Ideen. 

Lisei hatte das Glück, von ihren Eltern gesponsert worden zu sein. „Darüber bin ich sehr froh“, sagt die 29-jährige, „denn es ist sehr schwer, Zuschüsse zu erhalten, weil man sehr konkrete und gut ausgearbeitete Entwürfe vorlegen muss, um eine Chance zu haben“. Glücklich ist sie auch über ihre Entscheidung vor zwei Jahren. Klar, das Studium litt zumindest in den Sommermonaten unter der zusätzlichen Belastung, werde aber im nächsten Semester erfolgreich beendet und „zum ersten Mal bleibt nun auch ein Gewinn für mich übrig“, freut sich Lisei, die bisher im Winter nebenbei jobben musste.

Dass ihr das Eis wirklich wichtig ist, merkt man, wenn sie davon erzählt. Aus ihr spricht dann die Genießerin und weniger die Geschäftsfrau. So habe sie die laktosefreien, veganen Eissorten auch gar nicht für eine bestimmte Klientel entworfen, sondern einfach weil es ihr so besser schmecke.
In dieser Saison produziert Lisei nun auch noch ihr eigenes Eis. Wieder las sie zahlreiche Bücher  und besuchte teure Seminare. Zufrieden ist sie immer noch nicht: „Ich habe noch so viele Ideen, für die ich bislang keine Zeit hatte“. So möchte sie bald selbstgemachte Eistorten verkaufen und Seminare zur Eisherstellung anbieten – damit jeder zu Hause sein eigenes Eis produzieren kann.
Der Mann hinter dem Tresen ist Liseis Vater. Stolz holt er eine Portion gerade fertiggestellten Vanilleeises hervor und lässt die Gäste erwartungsvoll probieren. (jh)

Samstag, 8. Juni 2013

Mutmaßliches Schokokartell von Nestle und Mars aufgeflogen

Markenübergreifende Preisabsprache zwischen den Konzernen Nestle und Mars
Foto: jh





Das Kanadische Kartellamt ermittelt wegen Preisabsprache gegen Nestle und Mars. Dies gab die Behörde in einer Pressemitteilung auf seiner Homepage bekannt. Anlass sei eine Selbstanzeige des Süßwarenkonzerns Hershey's, der gleichzeitig beide Konzerne beschuldige, sich 2007 über Preise von Marken wie  Kitkat, Twix, Snickers, Bounty und M&Ms abgesprochen zu haben.

Auch in Deutschland ist die Bildung von Unternehmenskartellen nach dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) grundsätzlich verboten. Das Gesetz verbietet Vereinbarungen selbstständiger Unternehmen mit dem Ziel der Wettbewerbsbeschränkung oder sogar der Monopolbildung. Wirtschaftskartelle sind entweder kriminell oder staatlich gewollte Ausnahmefälle. Letztere heißen in Deutschland Erlaubniskartelle und müssen von der Kartellbehörde genehmigt werden. Voraussetzung ist, dass sich die betreffenden Unternehmen auf der gleichen Produktions- oder Handelsstufe befinden. Dabei ist entscheidend, dass diese Kartelle immer auf das Allgemeinwohl und die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt ausgerichtet sein müssen – der Wettbewerb darf nicht eingeschränkt werden. Erlaubniskartelle sind jedoch eine große Ausnahme. So genehmigte das Bundeskartellamt bis heute nur zwei Strukturkrisenkartelle der Stahlindustrie und Werften  zur Anpassung an die geänderte Nachfrage in wirtschaftlich schwierigen Phasen.

Falls sich die Vorwürfe gegen Nestle und Mars bestätigen, wäre dies ein Beispiel für ein Preiskartell auf der Angebotsseite. Daneben gibt es bei Kartellen ebenfalls die Möglichkeit, den Markt von der Nachfrageseite aus zu kontrollieren. Auf beiden Seiten kann dies in verschiedensten Formen passieren: So können nicht nur Preise abgesprochen, sondern auch auf gemeinsamer Basis kalkuliert, oder gemeinsam Produktion und Angebot gesteuert werden, sodass keine Produktionsüberschüsse entstehen.

Nestle und Mars wehren sich gegen die Vorwürfe. Das Bundeskartellamt ermittelte schon 2008 gegen beide sowie fünf weitere Unternehmen wegen des Verdachts auf  illegale Preisabsprachen von Schokoladenprodukten. Gegen Nestle verhängte es ein Bußgeld in Höhe von rund 20 Millionen Euro wegen unzulässigen Austauschs wettbewerbsrelevanter Informationen mit anderen Unternehmen. Während Hershey's als Kronzeuge ohne Strafe davonkommen kann, drohen den damaligen Managern von Nestle und Mars bis zu fünf Jahre Gefängnis und Geldstrafen in Höhe von umgerechnet sieben Millionen Euro. (jh)