Nicht nur in Teilen der Türkei
wird demonstriert, auch in Teilen Brasiliens
gehen die Menschen auf die Straße. In Ribeirão Preto, in der Nähe von São Paulo
kam bereits ein 18-jähriger Demonstrant ums Leben und mindestens 50 sind
verletzt, berichten die Deutschen Wirtschafts
Nachrichten. „Proteste sind in der Türkei nicht mit Brasilien
vergleichbar“, so der brasilianische Außenminister Antonio
Patriota.
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"Wenn die Fahrkarten (-preise) nicht runtergehen, kommt Rio zum Stehen!",
ist auf dem Banner zu lesen
Foto: Tânia Rêgo/Agência Brasil |
Mitte Juni gingen erstmals die Studenten mit
dem
Motto „Passe Livre“ (Freie Fahrt) auf die Straße.
In den Straßen von Rio de Janeiro und São Paulo protestierten sie gegen die
Erhöhung der Buspreise. Die Preise stiegen von 3 Reais (1,02 Euro) auf 3,20
Reais (1,09 Euro). Durch das
Ausmaß
dieser Proteste wurde die Preiserhöhung
zurück genommen, doch die Brasilianer stehen weiterhin auf der Straße. Neben
Rio und São Paulo sind auch weitere Städte wie Fortaleza von den
Demonstrationen betroffen. Wie auch in der Türkei laufen die Proteste in
Brasilien nicht friedlich ab. Sicherheitskräfte
setzen Tränengras,
Pfefferspray
und Gummigeschosse ein, um die Massen unter Kontrolle zu halten.
Die überwiegend jungen Demonstranten sind durch den Kampf
der Buspreise politisiert worden und
kämpfen gegen zu hohe Lebenshaltungskosten, Korruption und die
politische Situation. Seit Jahren wird
in Großveranstaltungen investiert, aber
nicht in die Infrastruktur. Die
Olympischen Spiele und die Fußballweltmeisterschaft werden in Brasilien
stattfinden. Es werden Unmengen an Geldern für Stadien ausgegeben, doch die
Mehrheit der Brasilianer würde das Geld eher in Bildung und Gesundheit
investieren, berichtet die Tagesschau im Ersten. Ein weiterer Punkt, der unter
den Demonstranten für Empörung sorgt, ist ein am Dienstag verabschiedeter
Gesetzesentwurf von Marco Feliciano, dem Vorsitzenden des Ausschusses für
Menschrechte und Minderheiten. Unter dem Namen „Cura Gay“ will der radikale Protestant Homosexuellen
eine Therapie zur Heilung ihrer sexuellen Neigung anbieten.
CAUsaal nahm den
Kontakt zu Brasilianern auf und befragte sie nach ihrer Meinung zu den
Protesten. Nicht alle scheinen von den Demonstrationen überzeugt zu sein.
Einige der Befragten sind der Meinung, dass die Demonstranten nicht mehr wissen,
wofür sie nun eigentlich protestieren. Doch das trifft lange nicht auf alle zu,
viele können auf Anhieb sagen, wofür sie auf die Straße gehen. Es geht um
Bestrafung der Korrupten, Verbesserung der öffentlichen Verkehrsmittel mit
gerechten Preisen, Verbesserung der Straßen und des Verkehrs und die
Abschaffung der Straßenmauten, Verbesserung des Gesundheitswesens und des
Bildungssystems, bessere Arbeitsbedingungen und einen Mindestlohn,
Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und eine Reduzierung der Gehälter für
Politiker.
Fernanda Soares, eine brasilianische Journalistin berichtet CAUsaal, dass sie
diese Demonstrationen schlicht für
blödsinnig hält. Das eigentliche Ziel
wurde erreicht und nun protestieren viele, ohne genau zu wissen, worum es geht.
Jeder versucht seine ureigenen Interessen zu vertreten oder nutzt diesen Massenaufstand für einen
Partyanlass. Viele Brasilianer wissen über die Geschichte Brasiliens und ihre
Hintergründe nicht genau Bescheid. Man würde seit Jahren in Brasilien gegen die
Ungerechtigkeiten im Land kämpfen, es sei kein neues Thema, meint Soares.
Ângela Diniz Perotti, eine Sekretärin aus São José dos Campos, findet dass die
Demonstrationen ein wichtiger Schritt
für Brasilien sind und freut sich darüber, dass das Volk nach 20 Jahren Stille
erwacht sei und wieder gegen die
Ungerechtigkeiten im Land kämpft. (cn/ms)